27.
Durchblutungsstörungen
27.1
venoese Durchblutungsstörungen
27.2
arterielle
Durchblutungsstörungen /
Claudicatio intermittens (intermittierendes,
unterbrochenes Hinken)
Claudicatio
ist ein lateinisches Wort und kann mit "Hinken"
übersetzt werden, gemeint ist eine Gangunregelmäßigkeit und intermittens
bedeutet intermittierend, unterbrochen, also zeitweilig aussetzend.
Ein intermittierendes, unterbrochenes
Hinken wird medizinisch auch als Cha
rcot Synd rom
bezeichnet, nicht zu verwechseln mit dem Cha
rcot-Marie-Tooth-Synd rom (Multiple
Sklerose).
Bei der Claudicatio intermittens, im Volksmund auch Schaufenster krankheit genannt, ist die Gehstrecke der Patienten stark eingeschränkt, so daß sie schmerz bedingt z.B. bei einem Gang durch die Stadt praktisch an jedem Schaufenster stehen bleiben um dadurch ein schmerz haftes, intermittierendes, unterbrochenes Hinken zu kaschieren.
Die Claudicatio intermittens entwickelt sich schleichend. Zunächst verspürt der Patient in den Beinen lediglich zunehmende Kälte- und Taubheitsgefühle. Dann treten erstmals Schmerzen in der beanspruchten Muskulatur bei längeren Gehstrecken auf, die dann zu einer Pause zwingen, bis der Schmerz vergeht. Im weiteren Verlauf verkürzen sich die schmerzfreien Gehstrecken immer mehr bis der bis dahin bestehende Bewegungsschmerz in einen Ruheschmerz übergeht. Im weiteren Verlauf droht dann die Amputation.
Wie entsteht die Claudicatio intermittens?
Die Claudicatio intermittens basiert auf einer fortschreitende Arteriosklerose (= Verkalkung der Schlagadern). Diese führt zu Wandverhärtungen und -deformierung mit Elastizitätsverlust und zu einer zunehmenden Verengung der Gefäßlichtung. Weil sich dabei die Gefäße mehr und mehr verschliessen, spricht der Arzt in solchen Fällen von einer peripheren (= mehr oberflächliche, nicht Gehirn oder Rücken mark, i.e.S. Becken und Beine betreffende) arterielle n Verschlußkrankheit, abgekürzt auch als AVK bzw. pAVK bezeichnet. Die AVK findet sich fast ausschließlich an den Beinen.
Die arterielle Versch lußkrankheit wird in 4 Stadien eingeteilt:
Was verursacht die periphere arterielle Verschlu ßkrankheit bzw. Claudicatio intermittens?
Als ursächlich bedeutsam
gelten neben konstitutionellen
(= anlagebedingten)
Faktoren, zu den auch das Altern zählt, u.a. die
Lebensweise (z.B. fettreiche Nahrung), toxische
(= giftige) Einflüsse (Nicotin),
Bluthochdruck, Übergewicht, Stoffwechselleiden (z.B. Zuckerkrankheit) und
chronische, z.B. rheumatische En
tzündungen.
Untersuchungen deuten auf einen Zusammenhang zwischen einer Infektion
(= Ansteckung) durch Chlamydia
pneumoniae und der Entstehung einer peripheren arteriellen Verschlu ßkrankheit bzw.
Claudicatio intermittens.
Die Behandlung der peripheren arteriellen Verschlu ßkrankheit bzw. Claudicatio intermittens:
Im frühen Stadium der
Claudicatio intermittens sollten ein Gehtraining und eine
spezielle Gymnastik durchgeführt werden.
Gegen die Claudicatio intermittens helfen auch
Bewegung
sbäder und
Unterschenkel
güsse.
Medikamentös werden immer
wieder durchblutungsfördernde Mittel wie Naftidrofuryl, Pentoxifyllin und
Buflomedil versucht, der Erfolg ist aber, gelinde ausgedrückt, bescheiden.
Besser scheint das Prostaglandin E1-Analogon Alprostadil zu wirken,
insbesondere in Kombination mit einer kontinuierlichen
Nervenblockade
(siehe unten).
Zur Prophylaxe (=
Vorbeugung) einer arteriellen
Thrombose (= Bildung
eines Blutpfropfes in einer Schlagader) sollten Thrombozytenaggregationshemmer
(= Mittel, die das Verklumpen
der Blutplättchen verhindern), wie z.
B. Acetylsalicylsäure eingesetzt werden.
Wichtig ist natürlich bei der Claudicatio intermittens auch die Ausschaltung möglicher, auslösender Noxen (= giftigen Substanzen), die Behandlung der Grund- bzw. Begleitkrankheiten und das Management der weiter oben aufgeführten Risikofaktoren.
Gefäßoperationen sind im Stadium der Claudicatio intermittens nur zurückhaltend einzusetzen. Sie können erwogen werden, wenn Aorten- und Becken arterienverschlüsse vorliegen, die anders nicht rekanalisiert (= aufgemacht) werden können.
Von den einschlägigen Fachbereichen (Innere Medizin, Chirurgie) ist bisher noch weitgehend unbeachtet geblieben, daß die moderne Schmerztherapie über sehr wirksame und nachhaltige Methoden zur Behandlung der Claudicatio intermittens verfügt.
Sehr hilfreich und effektiv
sind bei der Claudicatio intermittens sympathikolytische
(= Aufhebung eines
gefäßverengenden
Nerven
reizes, aber auch
schmerzlindernd wirksam) Blockaden
(= Betäubungen),
so für den Bereich des
Becken
s und der unteren
Extremitäten
(=
Beine, insbes.
Oberschenkel) in Form einer niedrigdosierten kontinuierlichen epiduralen
(=
rücken
marknahen)
Blockade mit Katheter.
Bei dieser Methode wird im Bereich der
Lenden
wirbel ein dünner Kunststoffkatheter in örtlicher Betäubung eingelegt,
der dann mehrmals täglich mit einer lang wirkenden, örtlichen
Betäubungsmittellösung aufgefüllt wird. Unter dieser Behandlung ist dann die
Schmerzempfindlichkeit im Bereich der unteren Körperhälfte vermindert oder gar
aufgehoben und es kommt zu einer enormen Zunahme der Durchblutung. Die
Konzentration des Wirkstoffes wird so gewählt, daß die Beweglichkeit, bzw.
Kraft, nicht oder kaum eingeschränkt ist, so daß sich der Patient trotzdem frei
bewegen und an einer Krankengymnastik teilnehmen kann.
Ist die Claudicatio
intermittens Folge einer
Durchblutungsstörung
der
Unterschenkel /
Füße (eine
Claudicatio kann auch vom
Rücken
mark ausgehen, die sog.
Claudicatio spinalis), so ist auch eine längerfristige
kontinuierliche Blockade des Nervus isch
iadicus mit Katheter hilfreich (Klatt und Leser,
1994), auch ist das methodische Risiko geringer als bei der epiduralen
Blockade.
Bei dieser Methode suchen wir von der
Oberschenkel
rückseite her, handbreit unter dem
Gesäß,
den
Ischias
nerven
in der Tiefe mit einer Kanüle auf und legen einen dünnen Kunststoffschlauch in
die zugehörige
Nerven
scheide (=
Gewebsumhüllung) ein. In den
folgenden 2-3 Wochen wird dann in diesen Schlauch mehrmals täglich eine
verdünnte,
örtliche Betäubungsmittel lösung eingespritzt. Je nach
Wirkstoffkonzentration kommt es dann im Versorgungsgebiet des Nerven zu einer
Verminderung der Schmerzempfindlichkeit bis hin zur Schmerzfreiheit. In dieser
Situation kann dann intensiv krankengymnastisch behandelt werden.
Da dieser Nerv auch vegetative
(= das unwillkürliche Nervensystem betreffende)
Fasern mit sich führt, kommt es im korrespondierenden Gewebebereich zu einer
Sympathikolyse
(= Aufhebung eines gefäßverengenden Nervenreizes)
und damit zu einer deutlichen Mehrdurchblutung, wie sie medikamentös systemisch
(= durch eingenommene oder gespritzte Durchblutungsmittel)
nie erreicht werden kann.
Besonders effektiv ist bei der Claudicatio intermittens eine Kombination dieser Blockademethoden mit einer Alprostadil - Infusionsserie.
Daß bei einer Claudicatio intermittens die kontinuierlichen Blockaden wirklich helfen, ist inzwischen nachgewiesen, lesen Sie dazu eine Veröffentlichung der Universität Heidelberg: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/volltexte/2000/646/pdf/DOKTOR.pdf (einfach anklicken).
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